EQuIP - Wir schaffen Arbeit
Europäische Partnerschaft für Qualifizierung und Integration mit Perspektive
Projekt im ESF-Programm „Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung“,
gefördert vom Ministerium für Arbeit und Soziales Baden-Württemberg
Projektbegründung
Seit Jahrzehnten lässt sich in Deutschland das immer gleiche Phänomen beobachten: Auch in den Phasen, in denen die Arbeitslosigkeit insgesamt zurückgeht, wie aktuell im Jahr 2010, sinkt die Zahl der Langzeitarbeitslosen nicht oder steigt sogar noch an. Vor allem gering qualifizierte Frauen und Männer ab 45 Jahren sowie Migrantinnen und Migranten haben nur geringe Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine Stelle zu finden. Gleichzeitig werden in den letzten Jahren die staatlichen Förderstrategien für diese Zielgruppen verändert: An die Stelle nachhaltiger, auf dauerhafte Integration ausgerichteter Förderstrategien treten aus fiskalischen Gründen zunehmend kurzfristige Aktivierungs- und Vermittlungsmaßnahmen. Viele Betroffene sind nach Jahren, in denen sie an solchen kurzfristigen Maßnahmen teilgenommen und erfolglos nach einer Beschäftigung gesucht haben, demotiviert und zunehmend hoffnungslos. Negativ wirkt sich vor allem aus, dass Instrumente zur staatlich geförderten Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen im allgemeinen Arbeitsmarkt und in sozialen Beschäftigungsunternehmen stark reduziert werden, obwohl viele Experten davon ausgehen, dass manche Langzeitarbeitslose keine Chancen mehr auf eine Beschäftigung auf dem regulären Arbeitsmarkt haben.
Ziel des Projekts ist es deshalb, Menschen, die nach erfolglosen Integrationsbemühungen demotiviert sind und „chancenlos“ scheinen, eine Erwerbsperspektive zu geben, indem ihnen bereits beim Einstieg in das Projekt konkret eine Beschäftigung in einem regulären Arbeitsverhältnis ermöglicht oder in oder in Aussicht gestellt wird.
Strategische Ziele
Zielsetzung des Projekts ist es,
• das Angebot an dauerhaften regulären Arbeitsverhältnisse in sozialen Beschäftigungsunternehmen für Langzeitarbeitslose, die keine Beschäftigung am allgemeinen Arbeitsmarkt mehr erhalten, auszuweiten und
• die Nachhaltigkeit des Übergangs von Langzeitarbeitslosen in den regulären Arbeitsmarkt zu erhöhen. Dies soll erreicht werden durch eine Optimierung der Instrumente zum Management des Übergangs und eine zielgenaue Qualifizierung der Teilnehmenden für konkrete reguläre Arbeitsverhältnisse in sozialen Beschäftigungsunternehmen, in Zeitarbeit oder in regulären Unternehmen.
Aktionsschwerpunkte
Die Erreichung dieser Ziele erfordert sowohl einen teilnehmerbezogenen als auch einen strukturbezogenen Aktionsansatz.
Aktion 1 „Qualifizierung und Integrieren“ setzt die persönlichkeits- und berufsbezogenen Förderung und Begleitung der Teilnehmenden um.
Im Projekt sollen langzeitarbeitslose Frauen und Männer ab 45 und MigranntInnen in reguläre Arbeitsverhältnisse vermittelt und vormals Langzeitarbeitslosen, die bereits vermittelt werden konnten, zur Erhaltung und zur Weiterentwicklung ihres regulären Arbeitsverhältnisses weiterqualifiziert werden. Für die passgenaue Vermittlung der Teilnehmenden wird ein individuelles Profiling zur Kompetenzfeststellung und Potenzialanalyse durchgeführt. Daran anschließend wird für alle Teilnehmenden ein individueller Begleit- und Qualifizierungsplan erstellt. Dieser wird in entsprechenden Trainings und zertifizierten (Teil-) Qualifizierungen umgesetzt.
Aktion 2 „Perspektiven geben“ richtet sich insbesondere an Akteure aus der Wirtschaft und der Sozialwirtschaft sowie deren Verbände und Verwaltungen, an Akteure der Arbeitsagenturen, Grundsicherungsstellen und Kommunen sowie an Personen, die als MentorInnen zur Unterstützung der Teilnehmenden infrage kommen. Aktion 2 zielt darauf ab, den genannten Akteuren die besondere Situation von Langzeitarbeitslosen mit multiplen Vermittlungshemmnissen bewusst zu machen und unterstützende Netzwerke für die Zielgruppe zu entwickeln. Strukturen und Angebote zur Gewinnung von zusätzlichen Arbeitsplätzen für die Zielgruppe sollen identifiziert und realisiert und limitierende Faktoren für die Erschließung von Märkten und zur Förderung der Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen reduziert werden. Dazu sollen Fachveranstaltungen und Fortbildungen für die o.g. Akteure organisiert, Betriebs- und Personalentwicklungskonzepte für Soziale Beschäftigungsunternehmen erarbeitet und Strategien zur Umsetzung von „Corparate Social Responsibility“ und „Corporate Citizenship“ ausgebaut werden.
Transnationale Zusammenarbeit
Im Rahmen der transnationalen Zusammenarbeit sollen Rahmenbedingungen und Ansätze zur Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen in Deutschland, Frankreich und Italien verglichen und ihre Übertragbarkeit überprüft werden. Der transnationale Austausch der Projektbeteiligten und der Transfer von Wissen und Methoden erfolgt durch Study Visits und online-Kommunikation. Eine gemeinsame Fachtagung der nationalen und transnationalen Projektpartner in Baden-Württemberg wird ein weiteres Produkt der transnationalen Zusammenarbeit sein
Evaluation
Es ist eine prozessbegleitende interne und externe Evaluation vorgesehen mit der Aufgabe, Ergebnisse und Wirkungen der Projektumsetzung (incl. einer fiskalischen Kosten-Nutzen-Analyse des Projektansatzes) zu bewerten und fördernde und hemmende Faktoren bei der Implementierung des Projekteinsatzes zu identifizieren.
Projektbeteiligte
Das Projekt wird in Baden-Württemberg von drei erfahrenen Bildungs- und Beschäftigungsträgern umgesetzt: SBR gGmbH Stuttgart, AFÖG gGmbH Offenburg, ARKUS gGmbH Heilbronn. Die Projektkoordination sowie strategische Förderung und Verbreitung des Gesamtprojekts liegt beim PARITÄTISCHEN Landesverband Baden-Württemberg.
Transnationale Partner im Projekt sind: Envie, Straßbourg, ein Soziales Beschäftigungsunternehmen (SBU) mit 1.400 Beschäftigten in ganz Frankreich und Consorzio Sociale Agora, S.C.S. Genova, einem Zusammenschluss und Interessenvertretung von Sozialunternehmen (einschließlich SBU) in der Provinz Ligurien.
Laufzeit und Umsetzung und Projekts
Vom 1.11.2010 bis 28.2.2011: Planungsphase zur Klärung des gemeinsamen nationalen und transnationalen Handlungsrahmens (Stufe 1)
Vom 1.3.2011- 31.8.2013: Praktische Umsetzung (Stufe 2)