Der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg sieht Angebot von Tagesstätten in Gefahr

Pressemitteilung - geschrieben am Mittwoch, 7. Oktober 2020 - 12:43

Stuttgart/Heilbronn   Pro Tag besuchen in Baden-Württemberg 1.981 Menschen mit einer psychischen Erkrankung eine Tagesstätte in der Gemeindepsychiatrie (Stand 2018). Betroffene erhalten hier eine Tagesstruktur und die Möglichkeit soziale Kontakte zu knüpfen. Der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg fordert zum Tag der seelischen Gesundheit (10.10.) eine nachhaltige Finanzierung der Angebotsstruktur von Tagesstätten. Das niederschwellige Unterstützungsangebot sei ein wichtiger Bestandteil der psychosozialen ambulanten Versorgung im Land, so der Verband.

„Menschen mit einer psychischen Erkrankung sind oft antriebsschwach, leben zurückgezogen und sozial isoliert. Die Gesellschaft begegnet ihnen mit Vorurteilen und wenig Verständnis. Psychisch krank zu sein, ist ein Stigma“, erklärt Ursel Wolfgramm, Vorstandsvorsitzende des PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg. „Tagesstätten sind für Betroffene eine wichtige Anlaufstelle, um soziale Kontakte zu knüpfen und ihrem Alltag eine Tagesstruktur zu geben. Sie müssen an fünf Werktagen in der Woche mindestens fünf Stunden geöffnet sein und Gruppenangebote, Beschäftigungsmöglichkeiten und Mahlzeiten anbieten“, so Wolfgramm. Diese Angebotsstruktur müsse Standard und nachhaltig finanziert sein. „Menschen mit einer psychischen Erkrankung brauchen diese niederschwelligen vielfältigen Unterstützungsangebote, um ihren Alltag zu bewältigen. Infolge der derzeitigen prekären Situation der Stadt- und Landkreise bestehe die Gefahr, dass hier auf Kosten der Betroffenen gespart werde, so die Vorstandsvorsitzende.

„Tagesstätten sind für viele psychisch erkrankte Menschen die einzige Möglichkeit, andere Menschen zu treffen, sich auszutauschen und so am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Dort fühlen sie sich verstanden und sind Teil einer Gruppe. Das stärkt das Selbstbewusstsein und vermittelt soziale Kompetenzen“, sagt Uwe Hellwich. Geschäftsführer vom Weinsberger Hilfsverein e.V. in Heilbronn. „Wie sehr die Betroffenen dieses offene Angebot brauchen, haben wir in der Zeit der Schließung während des Corona-Lockdowns erlebt“, so Hellwich. Das Angebot trage wesentlich zur psychischen Stabilität der Betroffenen bei und müsse fester Bestandteil der Sozialraumplanung im Land sein. 

Der Verband fordert vom Land die Festlegung von Mindeststandards in der Angebotsstruktur von Tagesstätten in der Gemeindepsychiatrie und die Regelung einer nachhaltigen Finanzierung. Nur so könne flächendeckend eine bedarfsgerechte psychosoziale ambulante Versorgung in Baden-Württemberg sichergestellt werden.

Pressekontakt Weinsberger Hilfsverein e.V.: Uwe Hellwich, Geschäftsführer, Tel.: 07131/12352-11, E-Mail: u.hellwich@hilfsverein.org

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