Jedes vierte Kind lebt in einer Familie mit psychisch krankem Elternteil

Pressemitteilung - geschrieben am Freitag, 8. Oktober 2021 - 08:46

Heilbronn/Stuttgart 08.10.2021   Jedes vierte Kind in Deutschland lebt in einer Familie mit einem psychisch kranken Elternteil. Diese Kinder haben ein erhöhtes Risiko, selbst einmal psychisch zu erkranken. Der PARITÄTISCHE fordert zum Welttag der seelischen Gesundheit und Auftakt der bundesweiten Aktionswoche spezielle Hilfen für Familien mit Angeboten für Eltern und Kinder. Dazu sei eine verbindliche Kooperation von Jugendhilfe, Angeboten der Gemeindepsychiatrie und Familienzentren vor Ort erforderlich, so der Verband.

„Kinder psychisch kranker Eltern sind großen seelischen Belastungen ausgesetzt. Sie leiden unter der familiären Situation und laufen Gefahr, selbst psychische Störungen oder Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln“, sagt Ursel Wolfgramm, Vorstandsvorsitzende des PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg. „Diese Familien und ihre Kinder brauchen frühzeitige Hilfen, die dem individuellen Bedarf jedes Einzelnen und der Familiensituation entsprechen.“ Sie müssten niederschwellig sein und Eltern ermutigen, sich professionelle Unterstützung zu suchen. „Psychisch kranke Elternteile haben oft Angst, sich fremde Hilfe zu holen, aus Sorge, dass dann die Familie auseinandergerissen wird. Eine Chance liegt in familienorientierten Angeboten für Eltern und ihre Kinder“, so Wolfgramm. Dazu müssten Jugendhilfe, Gemeindepsychiatrie und Familienzentren vor Ort stärker kooperieren. Das sei die beste Prävention. „Aktuell sind die Hilfen für erkrankte Elternteile und Gruppenangebote für ihre Kinder häufig noch getrennt. Auch sind die Angebote für Kinder psychisch kranker Eltern in ihrer Finazierung nicht gesichert“, so die Vorstandvorsitzende. Hier sei eine Regelfinanzierung zwingend notwendig.

Christina Baum, Teamleiterin vom Kinderprojekt „KiP“ des Weinsberger Hilfsvereins e.V. in Heilbronn fordert die besondere Thematik „Kinder psychisch kranker Eltern“ in die Erzieher*innen- und Lehramtsausbildung sowie das Sozialpädagogik- und Medizinstudiums aufzunehmen. „So entsteht bei wichtigen Bezugspersonen aus den  verschiedenen Lebensbereichen von betroffenen Familien wie KiTas, Schulen aber auch Kinderarztpraxen das Bewusstsein, Auffälligkeiten bei Kindern richtig zuzuordnen und Hilfen früh und rechtzeitig zu vermitteln. Dazu müssen, wie in unserer Region bereits eingeführt, Jugendhilfe und Psychiatrie gut zusammenarbeiten“, so Baum weiter. Darüber hinaus seien spezielle Frühe Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern notwendig, koordiniert von einer unabhängigen, niederschwelligen und kostenfreien Beratungsstelle. „Das würde die Situation der Familien und Kinder erheblich verbessern“, so Baum.

Pressekontakt Weinsberger Hilfsverein e.V. in Heilbronn, Christina Baum, Teamleiterin Kinderprojekt „KiP“, Tel. 07131/123 52-71, mobil: 0151-70 90 10 71, E-Mail: c.baum@hilfsverein.org, www.hilfsverein.org.

Aktionen auch PARITÄTISCHER sozialpsychiatrischer Einrichtungen und Dienste in Baden-Württemberg finden Sie unter https://www.gemeindepsychiatrie-bw.de/2021/09/welttag-fuer-seelische-gesundheit-2021/

 

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