Sozialwirtschaft: Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz

Pressemitteilung - geschrieben am Donnerstag, 6. May 2021 - 17:19

Stuttgart/Karlsruhe 06.05.2021          Psychische Gesundheit ist gerade für Beschäftigte in der Sozialwirtschaft wichtig. Überlange Arbeitszeiten, Personalnotstand und Schichtbetrieb erhöhen den Stressfaktor und belasten die Psyche. Das zeigt sich besonders in Zeiten der Pandemie. Gesundheit am Arbeitsplatz gewinnt auch bei der Personalgewinnung und Mitarbeiterbindung zunehmend an Bedeutung. Um alles, was das Wohlbefinden und die Resilienz der Mitarbeitenden in sozialen Einrichtungen und Diensten stärkt und gut für die Psyche ist, drehte es sich auf dem 2. PARITÄTISCHEN Gesundheitskongress „Was uns stark macht“. Veranstalter waren der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg, die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege und die AOK Baden-Württemberg. Am Kongress nahmen ca. 200 Vertreter*innen aus der Sozialwirtschaft und Gesundheitsbranche teil.

„Psychische Gesundheit ist gerade für die Menschen, die in der Sozialwirtschaft Dienstleistungen für die Gesellschaft erbringen und in vielen Hilfebereichen soziale Arbeit leisten, eine unverzichtbare Ressource. Das zeigt sich besonders in der Zeit der Pandemie. Die Corona-Krise fordert uns alle heraus, besonders aber die Beschäftigten in unserer Branche, die sich bis an die Grenze des Möglichen für ihre Klient*innen einsetzen. Überlange Arbeitszeiten und die latente Angst und ständige Sorge vor Ansteckung belasten die Psyche. Hinzukommen der Wandel der Arbeitswelt, Personalmangel oder Schichtbetrieb. Das sind Faktoren, die schon unter Normalbedingungen Stress auslösen können“, sagt Ursel Wolfgramm, Vorstandsvorsitzende des PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg. Um alles, was das Wohlbefinden und die Resilienz der Mitarbeitenden in sozialen Einrichtungen und Diensten stärkt und gut für die Psyche ist, drehte es sich auf dem 2. PARITÄTISCHEN Gesundheitskongress „Was uns stark macht“. Gesundes Arbeiten sei auch bei der Personalgewinnung und Mitarbeiterbindung ein wichtiger Erfolgsfaktor”, so die Vorstandsvorsitzende.

„Wir helfen Unternehmen mit Arbeitsschutzstandards und vielfältigen Beratungsangeboten dabei, für alle Beschäftigten Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz zu gewährleisten. Dabei ist die Erstellung und flexible Anpassung der sogenannten Gefährdungsbeurteilung ein zentrales Instrument“, erklärt Dr. Verena Fiedler, stv. Bezirksstellenleitung Prävention Karlsruhe bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). Das betreffe auch die psychische Gesundheit. „Hier bieten wir ganz konkrete Arbeitshilfen zur Erstellung an. Im Zusammenhang mit den besonderen Herausforderungen durch Corona unterstützen wir durch telefonische Krisenberatung für Mitarbeitende und Krisencoaching für Führungskräfte. Auch beim Thema Umgang mit Gewalt und Aggression unterstützen wir Führungskräfte und Beschäftigte mit Informationsmaterial und Schulungen“, so Fiedler. „Die Kooperation mit Verbänden wie dem Paritätischen Landesverband Baden-Württemberg ermöglicht es uns, die Angebote zielgerichtet an die Mitglieder zu kommunizieren und wir schätzen diese Zusammenarbeit sehr.“

Führungskräfte und Arbeitgeber wissen, wie notwendig gesundheitsfördernde Maßnahmen für ihre Beschäftigten sind. Gleichzeitig fehlt Pflegekräften oft die Zeit, um solche Aktivitäten überhaupt wahrzunehmen. Mit zielgerichteten Angeboten zur Betrieblichen Gesundheitsförderung können Arbeitgeber körperliche Anstrengungen und seelische Belastungen für ihre Beschäftigten verringern und gesundheitsförderliche Ressourcen aufbauen. Um das zu gewährleisten, stehen die AOK-Ansprechpartner Arbeitgebern mit individueller Beratung zur Verfügung. Ein weiterer zentraler Aspekt für praktikable und am Bedarf orientierte Maßnahmen ist die Vernetzung. Sowohl auf institutioneller als auch betrieblicher Ebene. Auch hier engagiert sich die AOK stark“, sagt Christian Konrad, Referent betriebliche Gesundheitsförderung bei der AOK Baden-Württemberg.

„Pflegekräften in der ambulanten Pflege möchten, dass ihre Klienten so lange wie möglich gut versorgt daheim leben können. Das von der Stadt Karlsruhe finanzierte Modell-Projekt „Neue Pflege“ ermöglicht unseren Mitarbeiter*innen 30 Minuten fachlich eigenverantwortete Zeit pro Woche für die Klient*innen zusätzlich einzusetzen“, erklärt  Peter Kohm, Geschäftsführer der Paritätischen Sozialdienste Karlsruhe gGmbH. Das erhöhe die Arbeitszufriedenheit und die Resilienz der Mitarbeiter*innen. „Sie können selbst ihren Klient*innen noch ergänzende Unterstützungen anbieten oder im Quartier organisieren. Die Wünsche der Klient*innen zu erfüllen, die Kontakte zu Angehörigen und Freunden zu ermöglichen, gibt ihnen eine besondere Wertschätzung der eigenen Fachlichkeit“, so Kohm.

„Unser Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist danach ausgerichtet, die Mitarbeitenden gesundheitlich so zu unterstützen, wie es für sie in ihrem speziellen Arbeitsbereich nützlich ist. Die Angebote beim Arbeits- und Gesundheitsschutz sind niederschwellig angelegt, so dass jeder bei Bedarf jederzeit Unterstützung bekommt“, erläutert Anna Breunig, Leitung Arbeits- und Gesundheitsschutz und Konfliktmanagement bei Reha Südwest, Karlsruhe. „Im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung finden Mitarbeitenden offene Gestaltungsräume und bringen ihre eigenen Ideen mit ein. Wir haben beispielsweise die Möglichkeit der „5 Minuten Gymnastik am Tag“ installiert – die Mitarbeitenden können am Arbeitsplatz alleine oder in der Gruppe anhand von Übungsbeispielen oder eigenständigem Programm etwas entspannen. Auch Teamsport, Rücken-Fit -Kurse oder Yogakurse im Team werden organisiert. Großes Interesse wecken Gesundheitstage oder Gesundheitsmessen, die wir mit gemeinsam abgestimmten Programm aus dem Präventionsbereich zielgruppenorientiert organisieren“, so Breunig.

„Die Stärkung der individuellen Gesundheitskompetenz von Fachkräften im Sozial- und Gesundheitswesen sollte im Fokus der Betrieblichen Gesundheitsförderung stehen. Nur wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über ausreichend Gesundheitswissen, Reflexionsfähigkeit in Hinblick auf den Umgang mit der eigenen Gesundheit und die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung für diese verfügen, können Angebote zur Gesundheitsförderung auch nachhaltig wirksam sein. Dafür stellen wir unserer Belegschaft Informationen zu Gesundheitsthemen zur Verfügung, bieten Beratung und Fortbildungen zur Förderung der Gesundheitskompetenz an und gestalten ein lernförderndes Arbeitsumfeld“,  erklärt Michael Auen, Hauptgeschäftsführer der Hagsfelder Werkstätten und Wohngemeinschaften Karlsruhe gGmbH.

 

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