Bis die Köpfe rauchten: Am 7. Mai 2025 traf sich die südbadische Fachgruppe Eingliederungshilfe drei Stunden lang zu BTHG-Themen. Während im ersten, verbandsinternen Teil, die fachliche Sicht von Michael Tränkle, Leiter des Bereichs Menschen mit Behinderung im Paritätischen Baden-Württemberg, digital eingeholt wurde, begann der zweite, verbandsübergreifende Teil, mit einem Problemabriss aus verschiedenen Einrichtungen zum gemeinsamen Thema, welches sich schnell herauskristallisierte: den vielfach nicht mehr auskömmlichen Verhandlungsergebnissen. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass der bürokratische Aufwand für die Leistungserbringer enorm zugenommen habe (jeder Landkreis hat seine eigenen Verfahren bei der Umsetzung des BTHG!). Zudem werde den Leistungserbringern der Eingliederungshilfe per se – und völlig an der Realität vorbei - in den Verhandlungen ein Unternehmerrisiko abgesprochen (gleichwohl das landesweit geeinte Kalkulationstool sogar explizit eine diesbezügliche Position beinhaltet), so dass unterjährige Risiken z.B. aufgrund von Veränderung der Klientenzahlen (infolge von Todesfällen, Einrichtungswechseln etc.) sowie die immer mehr zunehmenden Herausforderungen aufgrund des Fachkräftemangels (Überbrückung mit Zeitarbeitskräften, hohe Aufwendungen für Recruitingmaßnahmen) komplett zu Lasten der Leistungserbringer gingen.
Gesprochen wurde auch zu Themen wie dem Personalabgleich, Reaktionen auf Verhandlungsaufforderungen oder diverse Presse-Artikel, in denen die Kommunen ihre prekäre Haushaltslage vielfach recht einseitig mit der BTHG-Umstellung begründe. Dazu kommentierte Michael Tränkle, dass nach der vom BMAS in Auftrag gegebenen und im Februar 2025 veröffentlichten „Abschlussbericht Finanzuntersuchung BTHG“ nur ein äußerst geringer Teil der Kostensteigerungen in der Eingliederungshilfe (ca 4,5 %) nicht zu erklären seien und damit direkt mit der BTHG-Umstellung zu tun hätten. Gemäß des Forschungsberichtsentstünden 96% der Kostensteigerungen in der Eingliederungshilfe rein durch übliche (tarifliche) Personalkostensteigerungen und hätten somit rein gar nichts mit der BTHG-Umstellung zu tun.
Zum zweiten Mal traf sich die erweiterte Gruppe aus 30 Vertreter*innen sozialer Organisationen aus dem Bereich Behindertenhilfe beim Ring der Körperbehinderten. Die Fachgruppensprecher Norbert Weiß vom Ring der Körperbehinderten und Norbert Klein-Alstedde vom REHA Verein zeigten sich zufrieden mit dem gemeinsamen Ergebnis, als Leistungserbringer die Leistungsträger zum Austausch einzuladen um die Situation beidseitig besser einordnen zu können und letztendlich für die Klient*innen der Organisationen eine bestmögliche Versorgung sicherstellen zu können. Zudem wurde vorgeschlagen, sich künftig untereinander noch mehr über die gemachten Verhandlungserfahrungen auszutauschen.