Der Rhein-Neckar-Kreis ist mit knapp 560.000 Einwohnenden der bevölkerungsreichste Landkreis in Baden-Württemberg. Nun sollen die Förderungen von sieben spezialisierten Beratungsstellen gestrichen werden. Dies bedroht die Versorgungslage für über einer halben Millionen Menschen.
Die Konzeption zur psychosozialen Betreuung und allgemeinen Lebensberatung im Rhein-Neckar-Kreis wurde nach eingehender Prüfung im Ausschuss für Soziales am 15.06.2021 verabschiedet und zum 01.01.2022 umgesetzt. Sie wurde nach der ersten Umsetzungsphase 2022 evaluiert und bestätigt.
Ziel der Konzeption ist ausdrücklich, für alle Einwohner*innen und Einwohner des Kreises – unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion, Behinderung, sexueller Orientierung oder Herkunft – gleiche Lebensverhältnisse und einen niedrigschwelligen, kostenfreien Zugang zu Beratung zu schaffen. Teil dieser Zielverfolgung ist explizit die Förderung auch von spezialisierten Beratungsstellen für die „Bearbeitung spezieller Problemlagen und die Beratung von besonderen Personengruppen“ neben den allgemeinen Beratungsstellen.
Nun scheint im Rahmen der nötigen Einsparung im RNK-Haushalt der Vorschlag diskutiert zu werden, genau diese spezialisierten Beratungsstellen finanziell zu kürzen oder gar zu streichen. Diese Struktur jetzt jedoch so existenziell unter Druck zu setzen, würde eine erst kürzlich beschlossene, evaluierte fachliche Grundsatzentscheidung zurücknehmen, die sich gut etabliert hat, sowie bestehende Beratungsstrukturen nachhaltig gefährden.
Zur Debatte steht nun der Wegfall aller sieben spezialisierter Fachstellen – und damit der Verlust der gesamten spezialisierten Beratungsebene für Menschen aus dem Rhein-Neckar-Kreis.
Das bedeutet konkret:
Eine 13-jährige mit massivem Untergewicht, die chronisch-erkrankte Person mit spezifischen lebensweltlichen Fragen, die (nicht-deutschsprachige) Mutter die in einer konflikthaften Beziehung lebt, die queere Jugendliche, die in der Schule gemobbt wird, der Jugendliche mit Fragen zu Verhütung und der Mensch mit HIV, der in soziale Isolation geraten ist: Alle würden ab Januar 2027 zusätzlich auf die dafür nicht ausgestattete allgemeine Beratungsstruktur verwiesen – ohne die spezifische fachliche und lebensweltliche Expertise und zusätzlich zur wachsenden Komplexität der Fälle, mit der die spezialisierten Fachstellen zu tun haben.
Die spezialisierten Einrichtungen der psychosozialen Betreuung zeichnen sich durch hohe fachliche Expertise aus, die über eine allgemeine Lebensberatung hinausgehen und spezifische Fachkenntnisse erfordern.
pro familia (Ortsverband Heidelberg) e.V.
Psychologische Beratung zu sexueller und reproduktiver Gesundheit: Beratung zu Sexualität und Partnerschaft, bei Familienplanung und Kinderwunsch, komplexen Belastungen um Schwangerschaft und Geburt sowie Schwangerschaftsverlust. Körperliche Beziehungsgestaltung und sexuelle Vielfalt werden ebenso thematisiert wie Vertrauensbrüche, Trennungssituationen, belastende sexuelle Erfahrungen und zwanghaftes sexuelles Verhalten. Das Angebot ist Teil der medizinischen, psychosozialen und sexualpädagogischen Fachstruktur dieser spezialisierten Beratungsstelle.
IFZ – Internationales Frauen- und Familienzentrum e.V. 
Psychologische und (psycho-)soziale mehrsprachige und kultursensible Beratung für Frauen, Familien und Mädchen mit Migrations- /Fluchterfahrung in verschiedenen Lebenslagen (z. B: Orientierung in Deutschland, Sozialrecht, Bikulturalität, geschlechtsspezifische Gewalt, Berufsorientierung), eigener Dolmetscher*innendienst, Außerdem Beratung im Bereich Sexualität, Partnerschaft, Familienplanung, staatl. anerkannte Stelle für Schwangerschafts(konflikt)beratung.
FGZ – FrauenGesundheitsZentrum Heidelberg e.V.
Beratung: Aufklärung von Mädchen, Frauen und Angehörigen zu psychischer/physischer Gesundheit - insbesondere zu Essstörungen; Überbrückung & Vermittlung: Versorgungslücken im Bereich Psychotherapie & Essstörungen schließen; Prävention: schnelle, unbürokratische und qualifizierte Beratung, um Verschlechterung zu verhindern
AIDS-Hilfe Heidelberg e.V.
HIV/Aids und sexuelle Gesundheit – Beratung zu psychosozialen, sozialrechtlichen und medizinischen Anliegen, Selbsthilfe, Testangebote, Schul- / Jugendprävention
PLUS Rhein-Neckar e. V. Angebote und Beratung zu sexueller Orientierung und Geschlecht
Psychosoziale Beratung zu sexueller Orientierung und geschlechtlicher Vielfalt für Menschen mit eigenen Fragen, Angehörige und Fachkräfte // Fach- und Peerberatung mit stress- und traumasensiblen Ansatz // spezifische angeleitete Gruppenangebote für Menschen ab 18 Jahre
BiBeZ e.V. 
Bildungs- und Beratungsstelle für Menschen mit Behinderungen/ chronischen Erkrankungen. Peer-Beratung und Begleitung zur Unterstützung einer selbstbestimmten Lebensführung. Beratung über die gesamte Lebensspanne, vom Baby bis ins hohe Alter. Angeleitete Gruppenangebote / Gesprächskreise.
Katholische Stadtkirche Heidelberg
Psychologische Beratung von Paaren und Familien in psychisch belastenden Lebenssituationen und Krisen, insbesondere bei Beziehungskonflikten sowie bei Trennung und Scheidung