“Arme Kinder => Arme Gesellschaft“

Fachinformation - geschrieben am Montag, 26. Oktober 2020 - 12:08

Am 16. Oktober 2020 startete die landesweite Kampagne „Armut bedroht alle“ in diesem Jahr unter dem Motto “Arme Kinder => Arme Gesellschaft“. Wohlfahrtsverbände in Karlsruhe bringen mit einem Pressegespräch ins Bewusstsein der Öffentlichkeit , dass auch in Baden-Württemberg jedes fünfte aller Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren arm oder akut armutsgefährdet ist.

Kinderarmut in Karlsruhe
Es gibt einen Zusammenhang zwischen Herkunft und Zukunft: Wer aus einer armen Familie kommt, startet schlechter ins Leben. Die Hilfen für von Armut betroffene Kinder sind deshalb kein Luxus sondern eine Grundvoraussetzung für den sozialen Zusammenhalt im Land. Kinder und Jugendliche sind die am stärksten durch Armut gefährdete Gruppe von Menschen, so liegt die Armutsgefährdungsquote für Baden-Württemberg bei 19,4% (Karlsruher Leitlinien gegen Kinderarmut, 2019). Dieser Wert verdeutlicht, dass Kinderarmut auch in einer attraktiven und wohlhabenden Stadt wie Karlsruhe ein Thema ist.
Zusammen mit Akteur*innen der Stadt Karlsruhe haben LIGA-Vertreter*innen bereits 2009 Leitlinien gegen Kinderarmut verfasst und 2019 fortgeschrieben. Diese setzen einen Handlungsrahmen für eine nachhaltige und ganzheitliche Bekämpfung von Kinderarmut und familiärer Armut in Karlsruhe. Viele der vorgeschlagenen Maßnahmen wurden seither umgesetzt. Dennoch ist das Thema auch in Karlsruhe weiterhin brisant.
 
Die Liga der freien Wohlfahrtspflege in Karlsruhe fordert:
  1. Auch in der wohlhabenden Stadt Karlsruhe gibt es Kinderarmut. Dies gilt es öffentlich wahrzunehmen, anzuerkennen und abzubauen.
  2. Armut in Karlsruhe bedeutet vor allem: Ausschluss von Teilhabe. Deshalb müssen die Teilhabechancen von allen Kindern ermöglicht und verbessert werden.
  3. Zur Verbesserung der Teilhabechancen bedarf es grundlegender struktureller Veränderungen.
Trotz langjähriger Anstrengungen der Wohlfahrtsverbände sei die Zahl der armen Kinder nicht gesunken, bedauert Ulrike Sinner. „Wenn die nationale Grundsicherung zu niedrig ist, nutzt auch ein lokales Sozialraum-Projekt gegen Kinderarmut wenig", stellt die Karlsruher Regionalgeschäftsführerin des PARITÄTISCHEN fest. Daher fordert der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband bundesweit die Einführung einer Kindergrundsicherung, die an ein realistisch berechnetes kindliches Existenzminimum gekoppelt ist und Bildung und Teilhabe ermöglicht. Die Kindergrundsicherung könnte bisherige einzelne Förderleistungen (Kindergeld, Kinderzuschlag, Bildungs- und Teilhabepaket, Kinderfreibetrag, Unterhaltsvorschuss etc.) für alle Kinder ersetzen und würde nebenbei erheblich zum Bürokratieabbau beitragen.
Liga-Presseinformation 20. Oktober 2020

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